10.12.2009

Vervollständige mich

Apropos Google: Ein sehr erfrischender Quell der Freude sind ja gelegentlich die Vorschläge der automatischen Vervollständigungsfunktion bei der Suchworteingabe. Womit Google rechnet, was man gerade tippen wollen könnte, und mit wie vielen Treffern etwa zu rechnen ist. Warum das lustig ist? Darum:

Autocomplete Me »


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08.12.2009

Der gespielte Witz

»Ich möchte Rumkugeln.«
»Gern, aber machen Sie das doch bitte draußen.«


»Solide Komik« (Max Goldt), aber langer Bart. Zu lang? Kann nicht einmal die Überführung in einen bizarren Dialekt – in dem eigentlich alles urkomisch ist – die Szene retten?

Ein Versuch. Heute: Sächsisch.


»Se wünschen?« - »Eenma Rumgugeln bidde.«


[Google]


Hahaha.

© Fresia / netzwort.de


Entscheiden Sie selbst.


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01.12.2009

Denn sie müssen nicht, was sie tun

Man weiß gar nicht, was peinlicher ist: Sportreporter, die vergessen haben, daß sie Journalisten sind, oder Sportreporter, die so tun als wären sie richtige Journalisten. Erstere haben vor allem im Bayerischen Rundfunk die Methode perfektioniert, völlige Distanzlosigkeit in Frageform zu gießen. Letztere sind die, die immer dann unbequeme Fragen stellen, wenn sich ihr Gegenüber gerade in der schwächstmöglichen aller Fußballpositionen befindet: ein Trainer oder sonstig sportlich Verantwortlicher, dessen Mannschaft die letzten fünf, sechs, sieben Spiele verloren hat.

Aufgeregt für:

Dann sind sie alle da und werden auf einmal das, was sie wohl kritisch nennen. So war es zu Beginn der Saison in Berlin, später in Stuttgart, es wird sich in Köln wiederholen, vielleicht sogar noch einmal in Berlin. Gemeinsam lauern sie den Favres, Babbels, Soldos und ihren Sportdirektoren auf und haken nach. Sie tun das mit einer harmlos anmutenden Floskel, die in Wirklichkeit eine der ekelhafteren aus dem Reporterrepertoire ist und so geht: Ich muß das jetzt fragen.

Ich muß das jetzt fragen: Herr Babbel, wie schätzen Sie die Sicherheit Ihres Arbeitsplatzes nach den letzten Ergebnissen ein? – Die Frage muß in dieser Situation kommen: Hat Ihr Trainer noch das Vertrauen der Vereinsführung? – Lucien Favre, Sie wissen, ich muß das jetzt fragen: Haben Sie den Eindruck, beim nächsten Spiel noch auf der Trainerbank sitzen?

Warum sie das fragen müssen, erwähnen sie nicht. Natürlich nicht, sie müssen ja keineswegs. Diese Einleitung ist nichts anderes als eine vorausgeschickte Rechtfertigung, daß gleich etwas kommt, das dem Fragenden selbst nicht ganz geheuer ist – aber raus muß. Die behauptete Recherchepflicht soll das billige Vorführen argumentloser Gesprächspartner kaschieren und die schreiende Unoriginalität der Frage.

Faltige Stirnen und billige Siege

Um welche neue Nachricht könnte es auch im Ernst gehen? Die einzige Antwort mit Informationswert (»Der Trainer fliegt morgen.« / »Ja, ich trete nachher zurück.«) werden sie nicht bekommen, und das wissen sie. Wann wurde die letzte Personalentscheidung kurz nach dem Spiel im Pressebereich getroffen und vermeldet? Nein, sie werden das Dementi hören, das sie gegenüber ihren Lesern oder Zuschauern süffisant anzweifeln können. Die Stirne wird in geheuchelter Besorgnis gerunzelt werden, von den »Mechanismen des Geschäfts« wird die Rede sein.
Oder sie werden ausweichende und unsichere Gegenphrasen hören und sich wie harte Interviewer fühlen und im übrigen die gleiche Süffisanz abspulen.

Es ist eine Situation, in der der Reporter mit seiner Frage in einem billigen Sinne nur gewinnen kann. Das ist zu leicht. Es ist langweilig. Jemanden, der mit gebundenen Händen mit dem Rücken zur Wand steht, in Bedrängnis bringen zu wollen, fesselt ungefähr genauso wie der Ehrentreffer in der 82. zum 7:1. Und schäbig wird es, wenn man das alles auch noch in eine Floskel verpackt und als Sachzwang verkauft. Wenn sie wirklich nicht fragen wollten, würden sie es lassen.

Überrascht uns!

Das Tragikomische daran ist, daß sich die Phrase eigentlich so offensichtlich selbst verrät. Kein Mensch, von einfühlsamen Kriminalinspektoren vielleicht mal abgesehen, leitet eine Frage mit dem Hinweis ein, er müsse ja. Nicht wenn die Frage ehrlich ist und das Interesse an der Antwort aufrichtig. Alles andere ist das Prinzip Kerner: Den niederen Instinkten freien Lauf lassen, sich aber im gleichen Moment vorsichtshalber selbst davon distanzieren; genau wissen, daß man etwas aus der untersten Schublade hervorholt, aber so tun, als würde es von allein und zwangsläufig auf dem Tisch landen.

Reporter! Überrascht uns doch mal. Überrascht uns ziemlich, indem ihr die langweiligste aller Fragen mal gar nicht stellt. Oder überrascht uns wenigstens ein bißchen, indem ihr so ehrlich seid, eure Einfallslosig- und Scheinheiligkeit nicht hinter noch einfallsloseren und scheinheiligeren Phrasen zu verstecken.


(Leicht überarbeitete Variante eines Artikels für die »11 Freunde«)


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29.11.2009

Danke. Danke sehr.

Es muß nicht immer Rilke sein. Auch zeitgenössische Dichter haben uns viel zu sagen, zum Beispiel Karl-Heinz Rummenigge. Der wortgewandte Ex-Profi macht deutlich, warum Fußball und Lyrik ohneneinander nicht denkbar sind.


Ode an Franz Beckenbauer
(Vorgetragen auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München)

Lieber Franz, ich danke Dir,
Ich danke Dir, ich danke Dir sehr.
Ich danke Dir, das fällt uns nicht schwer.
Ich danke Dir, danke Dir ganz toll,
Weiß gar nicht, was ich alles sagen soll.
Ich danke Dir, Du bist ein Schatz,
Dies sag' ich Dir in diesem Satz.
Ich danke Dir, das fällt nicht schwer.
Danke, danke, danke sehr.
Und ein spezielles Dankesehr,
An 1860 für die Watschn an Dir!


Danke. Danke sehr.


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20.11.2009

Glosserie

Aus der Reihe: Merkwürdige Wörter, die man erst auf den zweiten Blick begreift ...

Sieglosserie

... und die man zum Anlaß nehmen könnte, einen völlig fiktiven, aber sehr fundierten Lexikoneintrag über die Glosserie zu verfassen, ihr Aufkommen im Frankreich des ausgehenden 17. Jahrhunderts, ihren beispiellosen Siegeszug im europäischen Gesellschaftsmodell und ihre fundamentale Relevanz für ... – lauter Blödsinn also wieder. Wenn man nicht los müßte.


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14.11.2009

Anleger


© netzwort.de » photographie


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12.11.2009

Die Ehrlichen und die Dummen

Jemand erregte sich kürzlich über eine »Titanic«-Bosheit. Man kann von solchen und den aktuellen Scherzen halten, was man möchte; es ist Absicht und gehört zum Konzept.

Die echten Arschlöcher sitzen ganz woanders.


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22.10.2009

Wie die Diebe

Zunächst dachte ich, dass ich die portugiesische Band Adorno ob ihres Namens eigentlich schon mal beschissen finden sollte – sich nach Philosophen benennen (und dann noch nach Teddy), ist kokettierend subversiv und in etwa so albern wie auf 'ner Schaumparty Marx' »Kapital« vorzulesen, oder auf 'ner Marx-Diskussion Partyschaum ins Publikum zu sprühen. Dann wurde mir von einer weisen Dame gesteckt, dass Adorno auch ein portugiesisches Wort ist und soviel wie »Dekoration« bedeutet. Top-Name! Und Top-Anfang auf dieser Split-Single, Adorno steppen jedenfalls ganz schön derwischartig in die Arena. Dann wird's richtig düster. Dann recht wild. Dann recht austauschbar. Dann wartet man aufs Ende der Seite. [...]


Sehr schön. Ein Herr Bockus rezensiert Bands, die nur er kennt, in einer Weise, die nur er kann:

Running Like Thieves


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20.10.2009

Der ultimative Charaktertest (I)

Sage mir, was Du hörst, und ich sage Dir weiß, wer Du bist.


Unsicherheit herrscht. Wem kann man vertrauen? Ist der neue Kollege ein akzeptabler Mensch? Ist die neue Freundin der Schwester so nett wie sie wirkt?

Ein Blick ins CD-Regal bringt raschen und oft überraschend zuverlässigen Aufschluß. Nachteil: Nur wenige führen ihr Regal immer bei sich. Man muß sich mit gezielten Fragen behelfen. Mit einigen der folgenden vielleicht. Auch kann man unter Heuchelung von Ironie – natürlich meint man es todernst – den Fragebogen näheren Menschen vorlegen, die man eigentlich für vertrauenswürdig hält, bei denen man aber in diesem wichtigen Bereich Klarheit benötigt.

(Da man in noch Unbekanntes vordringt, müssen die Fragen naturgemäß um mehr oder minder Bekanntes kreisen. Das macht nichts. Auch im sogenannten »Mainstream« treiben Perlen und Schund oft dicht nebeneinander her. Wird der oder die Befragte souverän das eine vom anderen scheiden? – Die Frage nach der Bewertung des Mainstreams erlaubt als solche im übrigen schon erste Rückschlüsse auf den Leumund der Menschen. Nur Idioten fahren immer neben der Hauptstraße.)

Hier ist: der ultimative Charaktertest. Doch aufgemerkt: Wer ihn ernst nimmt, ist schon durchgefallen. Wer ihn nicht ernst nimmt, auch.


Zutreffendes bitte ankreuzen. (Wenn nicht anders angegeben, nur eine Auswahl möglich.)


Gute Bands gibt es überall. Aber alles in allem ist ...

[ ] Brit-Rock doch wesentlich geiler.
[ ] US-Rock eindeutig besser.


Wie peinlich ist es, zu »Midlife Crisis« von Faith No More mit einem Besen als Gitarrenersatz durchs Wohnzimmer zu springen?

[ ] Null!
[ ] Ziemlich!
[ ] Dieses Opus wie auch die genannte Kapelle sind mir leider unbekannt.


Heather Nova ist ...

[ ] nur eine weitere Sängerin.
[ ] ein Engel.
[ ] mir egal.


Die beste Version von »All Along The Watchtower« ist ja wohl klar von ...

[ ] Bob Dylan selbst.
[ ] Dave Matthews.
[ ] Jimi Hendrix.
[ ] ......................


Hansi Hinterseer finde ich ...

[ ] super-sympathisch!
[ ] eher ekelhaft.
[ ] musikmäßig supi, aber er könnte mal zum Friseur gehen.
[ ] frisurenmäßig stark, aber könnte bessere Musik machen. Oder lieber gar keine.


Beatles:

[ ] unterschätzt.
[ ] überschätzt.
[ ] unmöglich zu überschätzen.


ABBA:

[ ] unterschätzt.
[ ] überschätzt.
[ ] richtig eingeschätzt.


Bekannt und für gut befunden (I):
(Mehrfachauswahl möglich)

[ ] Arctic Monkeys
[ ] Crystal Method
[ ] Aimee Mann
[ ] Jennifer Rush
[ ] The KLF
[ ] The Ukulele Orchestra of Great Britain


Die 80er Jahre ...

[ ] waren komplett für den Arsch.
[ ] haben im Rückblick doch erstaunlich viel Brauchbares hervorgebracht. Man muß sich halt die Klamotten wegdenken.


Einen wirklich guten Song erkennt man daran, daß er ganz reduziert (Gitarre/Klavier + Gesang) auch funktioniert.

[ ] Stimmt.
[ ] Stimmt nicht.
[ ] Schwierig.


Es gibt sogar gute Schlager.

[ ] Häh?!
[ ] Klar.


Coverversionen:

[ ] sind eigentlich immer schlechter, siehe z.B. »Where The Streets Have No Name« (U2 vs. Pet Shop Boys).
[ ] können einen Song definitiv auch nach vorne bringen, z.B. »Where The Streets Have No Name« (Pet Shop Boys vs. U2).


Gelegentlich Hip-Hop zu hören ...

[ ] ist absolut akzeptabel.
[ ] geht gar nicht.


Wer gehört nicht in diese Reihe?

[ ] Wir sind Helden
[ ] Die Ärzte
[ ] Element Of Crime
[ ] Die Toten Hosen
[ ] Karat
[ ] H-Blockx


Bekannt und für gut befunden (II):
(Mehrfachauswahl möglich)

[ ] »Remedy«
[ ] »Man Of Constant Sorrow«
[ ] »I Alone«
[ ] »Last Kiss«
[ ] »Plush«
[ ] »Acquiesce«


Brahms, Haydn, Chopin?

[ ] Einige der ganz Großen.
[ ] Das Mittelalter ist vorbei, Opa!


Musikalisch sehr inspirierendes Kino gibt's bei:

[ ] den Coen-Brüdern.
[ ] Quentin Tarantino.
[ ] (Da Mehrfachauswahl hier offenbar nicht erwünscht ist, mache ich hier mein Kreuz und meine damit: bei beiden. Oder muß es hier heißen: bei allen dreien?)


Hey hey, my my ...

[ ] Rock'n'Roll can never die.
[ ] Rock'n'Roll can never survive.
[ ] dideldum, dideldei.


Ein Lösungsbogen erübrigt sich. Wem Recht und Unrecht nicht auf Anhieb ersichtlich ist ...


Beispiel: Wer gehört nicht in diese Reihe?
Kreuz gesetzt bei »Die Toten Hosen« (unter den vorgestellten die einzige Scheißband): Vertrauensverhältnis und/oder emotionale Bindung ist möglich.
Alle anderen Antworten: aus dem Leben verbannen.


... der verfährt in der Auswertung einfach strikt willkürlich. Fertig!


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12.10.2009

Alster


© netzwort.de » photographie


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