27.01.2011

Jeder Meta zählt: Ein Rekordversuch

Hobbyfotografen machen das schon lange: jemanden fotografieren, der einen anderen dabei fotografiert, wie dieser etwas fotografiert.

Dank eines zu gleichen Teilen klickgeilen und bigotten Journalismusansatzes bei zahlreichen Onlinemedien sowie penibel protokollierender Watchblogs ist diese Meta-Meta-Meta-Ebene inzwischen auch im Textgewerbe eine feste Größe.

Ein normaler Klickgeiler schreibt einen sinn- und substanzlosen Artikel über ein Nichtereignis mit Titten oder Prominenten. Ein bigotter Klickgeiler schreibt daraufhin einen Artikel über die Sinn- und Substanzlosigkeit des Artikels über die Titten oder die Prominenten, in welchem er nebenbei ausführlich auf diese Titten oder die Prominenten eingeht und dabei einige Dinge durcheinanderbringt. Ein Penibler schreibt dann einen Artikel über diese Fehler und über die ganze Sinnlosigkeit des Artikels, der von nichts als einem anderen sinnlosen Artikel handelt. Und der Leser steht fassungslos daneben und weint.

Andererseits ist es jedoch schwer einzusehen, daß an dieser Stelle schon Schluß sein soll. Wenn es schon einen Text über einen Text über einen Text über nichts gibt, sollte man die Gelegenheit, mit einem Text über den Text über den Text über den Text über nichts nunmehr die Meta-Meta-Meta-Meta-Ebene zu erklimmen, nicht verstreichen lassen. So oft ist man da nicht! Dies ist der Artikel des Weinenden über jenen Artikel, der von dem Artikel über den ersten Artikel handelt.

Problem aber: Was soll man noch sagen? Soll man abwägen, ob das Reden über und das Zeigen auf den heuchlerischen Meta-Text notwendig und richtig ist – oder ob es die Heuchler nicht im Gegenteil auch noch in ihrem Tun bestärkt, indem man ihnen genau das gibt, was sie wollen: Aufmerksamkeit, Links, Verbreitung? Oder soll man, streng dem bisherigen Schema folgend, sich über die Insonsistenz des letzten Artikels mokieren, der die erschütternde Unwichtigkeit der anderen Texte beklagt, aber die Korrektur einer offenbar fehlerhaften Rand-Unwichtigkeit (»Die Jacke trug Petra Ecclestone jedoch bereits vor der Raucherpause«) für zu wichtig hält, um darüber zu schweigen? Muß das die zentrale Frage sein: Gibt es Wichtiges im Unwichtigen? Oder sollte man sich auf die Herren Christof K. und Marcus W. konzentrieren, deren Hinweis sich der Text verdankt? Warum lesen sie Klatschmagazine wie »Spiegel Online«? Warum nehmen sie Analysen des Gelesenen vor? Und warum wünschen sie, daß ihre Angewohnheit, horrend verblödende Artikel über nichts zu lesen, publik gemacht wird? Oder vielleicht lieber milde necken, weil man zufällig einen noch unwichtigeren Fehler im Fehlerkorrekturartikel gefunden hat, hihi, guckt mal, ausgerechnet, zwinkerzwinker? Und ist dieses Räsonieren über einen Meta-Meta-Meta-Meta-Text nicht auch schon wieder sehr meta?

Und wie spät ist es eigentlich?

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