12.06.2011

Was hörst Du?

Es ist ein bißchen wie in »Die Bourne Identität«. Matt Damon braucht Informationen aus einem Hotel und entwickelt einen Plan, der neben Franka Potente einen klaren Ablauf, Aufmerksamkeit und vor allem präzises Timing erfordert. Sie sprechen alles durch, mehrmals, und irgendwann ruft er von einer Telefonzelle in der Nähe des Hotels zur exakt vereinbarten Zeit den Apparat an, wo sie genau jetzt sein muß. Es geht niemand ran. Er wird nervös. Plötzlich klopft es an der Zelle. Potente. Matt Damon hektisch, will wissen, was schiefgelaufen ist. Sie habe die Unterlagen, sagt sie. Der Mann an der Rezeption wirkte so nett, da habe sie gedacht, statt all dieser Umstände wäre es vielleicht leichter, ihn einfach nach dem Gewünschten zu fragen.
»Du hast einfach danach gefragt? – Oh. Gute Idee.«

Genau so ist es natürlich auch einfacher, statt anhand des Aussehens, der Kleidung, der Bewegungen oder sonstiger Anhaltspunkte darauf zu schließen, was jemand wohl gerade auf seinem MP3-Player laufen hat – ihn oder sie doch einfach zu fragen.

Asking random New Yorkers with headphones on what song they are listening to:

Das geht natürlich auch in Lissabon, London oder Edinburgh.

26.05.2011

Letzten Endes ist alles ...

Auch noch nicht gewußt bisher und ganz interessant:

Wisssenswertes über Wikipedia: Wenn Du irgendeinen Artikel nimmst, auf den ersten Link im Artikeltext klickst, der nicht in Klammern steht oder kursiv ist, und das immer wiederholst, landest Du irgendwann bei »Philosophie«.
(XKCD / gesehen im Sprachlog)

Das funktioniert – abgesehen von einigen Ausnahmen – tatsächlich, manchmal erstaunlich schnell. Bemerkenswert.


Kleiner Schönheitsfehler aber: Es ist am Ende halt etwas willkürlich. Das ganze stimmt ja für alle Begriffe ganz genauso, zu denen man auf diese Weise von »Philosophie« aus gelangt. Zwar sind das in der deutschen Wikipedia nur vier (in der englischen zwölf) – dann dreht man sich im Kreis:

Philosophie → Wissenschaft → Wissen → Wahrheit → Wirklichkeit → Philosophie → Wissenschaft → Wissen → Wahrheit → Wirklichkeit → Philosophie → Wissenschaft ...

Dennoch ist »Philosophie« eben nur einer von mehreren Begriffen, bei denen man aus Gründen immer wieder landet.

Vor allem aber ist es selten der erste, über den man auf die oben beschriebene Weise in diese letzte Schleife gelangt. Meistens landet man vorher bei »Wissenschaft«, die daher das eigentliche Phänomen ist.

Wahr ist die Aussage freilich für jeden Begriff der »letzten Schleife«; dann kann man sich natürlich auch die Philosophie aussuchen. Wir hätten übrigens »Wahrheit« gewählt.

... und das immer wiederholst, landest Du irgendwann bei der »Wahrheit«.

12.05.2011

Scheißgedanke

Michael Althen schreibt nie wieder was, und irgendeine C-Promi-Pfeife sitzt gerade am nächsten überflüssigen Buch.

09.05.2011

Dudengucken

Das Wort »Rudelgucken« ist nun also in den Duden aufgenommen worden. (Warum auch immer.) Stolz darauf ist man vor allem beim WDR; die Suche nach einer dudenfähigen »Public Viewing«-Alternative und die Initiative für einen entsprechenden Eintrag gingen vom hauseigenen Radiosender »1LIVE« aus. Bemerkenswert daran ist, daß sich die westdeutschen Rundfunker offenbar nur noch sehr undeutlich daran erinnern, was sie damals zu der Aktion veranlaßt hat. Stattdessen heißt es jetzt:

Die 1LIVE Redaktion war 2008 zu dem Schluss gekommen, dass "Public Viewing" zu schwer über die Lippen geht.

Laut eines kurzen Artikels auf einer Seite namens einslive.de war die Redaktion 2008 eher zu dem Schluß gekommen, daß dieser Begriff »in Amerika [...] für die öffentliche Aufbahrung von Toten benutzt« werde und daher ein »Scheinanglizismus« sei, den es durch ein »treffenderes Wort« zu ersetzen gelte.

Das wiederum war schon damals eine einigermaßen verblüffende Behauptung, weil es konservativ geschätzt ungefähr zweieinhalb Sekunden dauert, sich mit bereits minimaler Medienkompetenz von ihrer Bodenlosigkeit zu überzeugen. Insofern war es möglicherweise gar keine so dumme Idee, das lieber vergessen zu haben. Nach Metametametametaebene und Gegengegengegenwind hier also auch noch mal der:

Scheinscheinanglizismus »

Und jetzt steht »Rudelgucken« im Duden. Glückwunsch.

23.04.2011

Take Five

5 Jahre netzwort.de. Das sind 1.825 Tage oder 43.800 Stunden oder 2.628.000 Minuten oder 157.680.000 Sekunden, was schöne Zahlen sind, die aber gar nicht stimmen, da innerhalb von fünf Jahren mindestens ein Schaltjahr vorkommt1, das letzte war 2008, das bedeutet, es sind 1.826 Tage oder 43.824 Stunden beziehungsweise 2.629.440 Minuten respektive 157.766.400 Sekunden. Lang!

Lang genug jedenfalls, daß sich trotz phasenweise erschütternd geringer Beitragsfrequenz ein paar Texte angesammelt haben, die zumindest nicht komplett unterirdisch sind. Manche wurden sogar mehr als einmal gelesen. Oder jedenfalls angeklickt. Zum heutigen Jubiläum also: Die fünf am häufigsten – wir bleiben mal vorsichtig – aufgerufenen Texte aus den letzten fünf Jahren. Nach der Musikpause.



5. Biberreim
Was reimt sich auf Biber? Eine Frage, die offenbar häufig gegoogelt wird. Antwort: Nicht viel. Jedenfalls nicht lupenrein. Auf Bibergedichte muß man trotzdem nicht verzichten. Zum Text »

4. Bebel vs. Lennon
Das John-Lennon-Gymnasium in Berlin heißt wirklich so. Wie es dazu kam, ist eine schöne Geschichte, und jemand der damals dabei war, erzählt sie hier in einem Gastbeitrag. Zum Text »

3. Das Sagen der Sarah Canary
Ironie: Auf diesen Beitrag scheint man gelegentlich zu stoßen, wenn man nach Alternativen für »sagte« sucht. Er propagiert genau deren Unnötig- bis Unsinnigkeit. Sagen Sie »sagen«! Zum Text »

2. Doppelt gesagt. Abgrenzungen für Angeber
Tautologie. Pleonasmus. Hendiadyoin. Ein straffer Überblick darüber, was davon was ist, wo die Unterschiede liegen und was das überhaupt alles soll. Mit praktischen Faustregeln für den Hausgebrauch. Zum Text »

1. Konträr gesagt. Abgrenzungen für Angeber II
Ein nicht mehr ganz so straffer Überblick zu einem ähnlichen Thema. Diesmal: Oxymoron vs. Contradictio in adjecto vs. Paradoxon. Auch schön. Und ebenfalls mit handlichen Merksätzen zum Mitnehmen. Zum Text »


Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Übrigens: Um das netzwort.de-Jubiläum zu feiern, werden heute und auch morgen in weiten Teilen Deutschlands große Feuer entzündet, an denen sich mehrheitlich nette Menschen versammeln und die eben vorgestellten Texte zu Gehör bringen. Oder so ähnlich. Viel Spaß dabei! Aber auch vorsichtig sein.


1) außer um eine Jahrhundertwende herum2
2) außer das Säkularjahr ist durch Vier teilbar

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