31.03.2008

Circenses


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29.03.2008

Waren, Gutes, Schönes

Aus der bunten Warenwelt
(Wenn auch nicht an jeder Stelle im engeren Sinne) sehenswert: Werbung vs. Realität. (Für Klickfaule auch als Video.)
Wir meinen: Die Lebensmittelverpackung ist einer der Orte dieser Welt, wo die Lüge leben muß. Und darf.


Gut gesagt
Aus dem Archiv und noch immer in jedem Sinne sehens- und vor allem hörenswert: Harald Martenstein über gedruckte Nazis und dämliche Reflexe.
Wir meinen: Ist doch wahr.


Schönes Schlußwort
... vom Gewissen des SZ-Magazins auf eine eigentlich wenig phantasievolle Frage.

»Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!«, proklamierte Kant zum Wahlspruch der Aufklärung. »Habe Verstand, dich deiner eigenen Kaufkraft zu bedienen«, sollte das Motto der aufgeklärten Marktwirtschaft sein.

Wir meinen: gar nichts weiter. Las sich nur so schön.

28.03.2008

Dickens und Dünne

Taggedanken


[...]
Irgendwo gelesen, daß Charles Dickens ganz dünn war. Mich beschäftigt das. Das paßt doch gar nicht? Merkwürdig, wie ich darauf komme. Doch hoffentlich nicht des Namens wegen; wer möchte denn so simpel ticken? Dann lieber will ich ihn unbewußt mit einer seiner Figuren verwechselt haben. Oder dem, was ich für eine seiner Figuren halte. Oder doppelt ums Eck? Daß mit dem Namen »Dickens« das überlieferte England des 19. Jahrhunderts vor dem geistigen Auge aufsteigt und darin der wohlgenährte Fabrikbesitzer mit Backenbart, auf dem Weg zum Herrenclub? Aber warum gerade der? Dickens. Zu einfach.

Merkwürdig auch, daß man so gar kein authentisches Bild von ihm immer gleich vor Augen hat; so ein typisches Portrait, wie bei Franz Kafka. Der war ja auch dünn.
Aber Charles Dickens? Mich beschäftigt das.
[...]

26.03.2008

Neues aus Däitschland

Falls Sie gerade nicht so über die aktuelle Lage im Bild sind, gibt Ihnen auch der Luxemburger gerne Auskunft:

Däitschland: Den Oswald Metzger wiesselt bei d'CDU

[...]
Déi Greng sinn e bësselchen genéiert.

D’Parteichefin Claudia Roth sot an enger éischter Reaktioun: déi sech wëllen op d’Rees machen, déi soll een net ophalen.
[...]

Genau. Déi sech wëllen op d’Rees machen, déi soll een net ophalen. Das besorgt ohnehin das Wetter:

Däitschland: Chaos op de Stroosse wéinst dem Schnéi

Däitschland: Schnéi an Äis hunn a ville Régioune fir Chaos op de Stroosse gesuergt. Op d'mannst 3 Mënsche sinn ëm d'Liewe komm....

E sëllesche Camionë stounge queesch an Auto si vun der Strooss gerutscht.

Generell sinn op däitsche Stroosse am Januar manner Accidenter geschitt, et sinn awer méi Mënsche gestuerwen.
[...]

Op de Liste hübscher Sprachen ist Luxemburgisch jedenfalls ziemlich weit vorn.

25.03.2008

Durchbruch


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22.03.2008

Dinge

So, nach längerer Pause wieder online: die so schönen wie sinnlosen Listen. Unter anderem mit ...

Dingen, die man mal getan haben sollte (Auftakt):

  • einen Marathon laufen
  • im Regen knutschen
  • sich einen Tag lang als jemand anderes ausgeben
  • einen entscheidenden Elfmeter reinmachen / halten
  • einen »Fachmann«-Text schreiben

19.03.2008

Bißchen umständlich

Frage für Freunde und Kenner des Skurrilen: Wer einzig ist imstande, so herrlich durchgedrehte Alltagsminiaturen wie die folgende zu erfinden?

(Ort: Ein Fernsehstudio. Die Sendung – eine Art Telefonberatung – läuft.)

Anruferin: Hier ist Bärbel.
Berger: Ja, Bärbel, hallo.
Bärbel: Ich bin seit drei Jahren verheiratet. Im letzten Jahr haben wir Urlaub in Bayern gemacht. Wir haben uns da im Heu geliebt, und das hat uns viel Spaß gemacht.
Berger: Ja, das ist toll.
Bärbel: Wir haben uns mit dem Heu befriedigt und Streu um seinen Penis gewickelt. Jetzt will er immer, daß wir es zu Hause auch mit Stroh machen.
Berger: Das ist ein bißchen umständlich zu Hause, Strohballen ...
Bärbel: Ich muß immer in die Zoohandlung und das Heu holen. Und wenn ich dann sage, wir können's doch anders machen, verweigert er die Liebe ganz.
Berger: Sie können ihm doch sagen: Laß uns doch wieder im Sommer Urlaub in Bayern machen und jeden Tag im Heu lieben.
Bärbel: Er hat nicht so viel Urlaub, und so viel Geld haben wir auch nicht, um dann immer nach Bayern zu fahren.
Berger: Ich würde einen Kompromiß machen: Bereiten wir uns einmal im Monat einen Heutag zu Hause.
Bärbel: Der will das immer im Heu machen.
Berger: Sagen Sie ihm: Zweimal im Monat kriegst du dein Heu aus der Zoohandlung.
Bärbel: Ich werde es probieren.
Berger: Man kann sich also wirklich keinen Heuschober in die Wohnung stellen, das ist ein bißchen kompliziert.

Wer? Genau: das Leben.


(Gefunden bei Kempowski: »Alkor«, S. 145)

16.03.2008

Konträr gesagt. Abgrenzungen für Angeber II

Gefällt mir! Das möchte ich ...

Nicht sehr viele Menschen fragen sich: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Oxymoron, Paradoxon und Contradictio in adjecto? Diesen Neugierigen aber sagen wir: Das ist ganz leicht; in gewisser Hinsicht gibt es gar keinen. Da aber unterschiedliche Wörter stets – in welchem Grade auch immer – etwas unterschiedliches bedeuten, schauen wir natürlich genauer hin.

Bei allen dreien haben wir es in irgendeiner Form mit (sprachlich) Widersprüchlichem zu tun und möchten nun sehen, inwiefern eigentlich.

Oxymoron: Ein Oxymoron bezeichnet eine Kombination von gegensätzlichen Begriffen, wie man sie etwa vom Chinesen an der Ecke kennt: Süßsauer. Oder – was nicht mal beim Chinesen vorkommt –: eckiger Kreis. Beides sind Oxymora, woraus wir ersehen, daß es nur auf den Widerspruch ankommt, nicht darauf, wie er grammatikalisch gebildet wird; ob als (begrifflich) widersprechende nähere Beschreibung, ob als Zusammensetzung. Geliebter Feind? Oxymoron. Haßliebe? Oxymoron.

Kenner des hellenischen Zungenschlags werden dabei längst bemerkt haben, daß das Oxymoron selbst genau das ist, was es bezeichnet. Es leitet sich ab von den griechischen Wörtern »oxys« und »moros«, die gegensätzlicher nicht sein könnten: »Oxys« bedeutet scharf(sinnig), »moros« soviel wie dumm.

Diese Wesensgleichheit von Bezeichnung mit Bezeichnetem weist uns darauf hin, daß sich da Methode verbirgt. Eine bewußt gewählte Bezeichnung für ein bewußt eingesetztes Stilmittel. Der Autor oder Redner denkt sich was dabei. Nicht immer mag gleich deutlich werden, was genau; aber was immer es ist: Erst die Intention macht hier das Stilmittel.

Ein Widerspruch, der vom Vortragenden nicht beabsichtigt war, ist kein Oxymoron, sondern einfach ein Widerspruch. Ganz strenggenommen kann man daher als Rezipient immer nur mehr oder weniger begründet vermuten, ein Oxymoron vor sich zu haben.

Contradictio in adjecto: Die Contradictio in adjecto ist genau das, was ihr Name auch dem Lateinlaien bereits verrät: ein beigefügter Widerspruch; einem Hauptwort wird eine gegensätzliche Variante dessen zugesellt, was auch normale Menschen ein Adjektiv nennen. Beim echten Kunstleder zum Beispiel, beim geliebten Feind, beim alten Kind oder beim sympathischen Juristen.

Da der Name des Phänomens die Form beschreibt, kommt es hier sehr wohl auf selbige an, und mit ihr ist die Contradictio in adjecto gewissermaßen das Gegenteil des Pleonasmus, der – sozusagen – Dopplung in adjecto.

Das Beispiel des geliebten Feindes, das auch schon als Oxymoron vorgestellt wurde, zeigt, daß die Contradictio in adjecto sich nicht vom Oxymoron abgrenzt, sondern eine spezielle Form dessen ist. Die mit der Beifügung gebildete nämlich. Mengenmäßig gesprochen: Eine Contradictio in adjecto ist immer ein Oxymoron, ein Oxymoron aber nicht in jedem Fall eine Contradictio in adjecto (siehe oben).

Ein Unterschied zwischen beiden besteht jedoch in der Intention. Während für das Oxymoron der Vorsatz entscheidend ist, ist eine Contradictio in adjecto auch dann eine, wenn der Schöpfer sie gar nicht bemerkt. Hier zählt nur das Ergebnis.

Paradoxon: Auch ein Paradoxon ist ein Widerspruch. Für Weiteres kommt es hier darauf an, in welchem Sinne und vor allem welchem Zusammenhang man davon spricht. Was bedeutet es denn wörtlich? Wir fragen wieder unsere griechischen Freunde und erfahren: »para« = gegen, »doxa« = Meinung oder Sichtweise. Das kann einiges heißen. Zumeist hören und gebrauchen wir das Wort als Bezeichnung eines unauflösbaren (Selbst-)Widerspruchs innerhalb einer Aussage. Klassiker: Ein Kreter behauptet, daß alle Kreter lügen. Wenn er die Wahrheit sagt, lügt er; spricht er eine Lüge, sagt er die Wahrheit. Paradox, das.

In unserem sprachlichen Rahmen hier, abgesteckt von rhetorischen und stilistischen Figuren, bezeichnet ein Paradox jedoch auch und vor allem einen nur scheinbaren Widerspruch, der zum Nachsinnen anregen soll und optimalerweise durch die Auflösung zu einer tieferen Einsicht führt. Oder wie der Duden erklärt: eine »scheinbar falsche Aussage (oft in Form einer Sentenz oder eines Aphorismus), die aber bei genauerer Analyse auf eine höhere Wahrheit hinweist«.

Wir bleiben bei den Klassikern: Weniger ist mehr. Genauere Analyse dieser scheinbaren Widersprüchlichkeit verhilft uns nun zu der Erkenntnis, daß es bisweilen dem Gesamtergebnis dienlich ist, zwischendurch nicht zu überreizen. Gar nicht so doof. Auch gar nicht widersprüchlich, so gesehen; die scheinbare Gegensätzlichkeit liegt in der Verkürzung des Gedankens und dem daraus folgenden Nebeneinander eines Weniger von irgendetwas und einem Mehr von etwas ganz anderem.

Rein sprachlich hingegen ist der Widerspruch tatsächlich einer; weniger ist weniger und nicht mehr. Das hilft uns vielleicht bei der Frage, die uns ursprünglich bewegte: Wo liegt denn der Unterschied zum Oxymoron? Darin, daß es beim Paradoxon nicht um einzelne, in sich widersprüchliche Begriffe, sondern um eine in sich (scheinbar) widersprüchliche Aussage geht. Beiden eigen ist die Intention; das Paradoxon ist gleichsam ein inhaltliches Oxymoron.

Wir fassen zusammen:
Oxymoron = bewußte Kombination widersprüchlicher Begriffe als Stilmittel; Vorsatz und Ergebnis kennzeichnen hier den gelungenen Gegensatz

Contradictio in adjecto = Beigabe eines Wortes, das zu dem Hauptwort im Widerspruch steht; spezielle Variante des Oxymorons, für die Form und Ergebnis entscheidend sind, nicht die Genese

Paradoxon (in rhetorischen Zusammenhängen) = (Schein-)Widerspruch, der in der Auflösung eine bereichernde Erkenntnis bereithält; nicht einen widersprüchlichen Begriff sehen wir hier, sondern eine widersprüchliche Aussage


Auch interessant:
Doppelt gesagt. Abgrenzungen für Angeber »
Weniger und mehr »
Sehen und nehmen »

13.03.2008

Aufgefrischt

Gefällt es Ihnen auch? Wie Sie (hoffentlich) sehen, haben wir unsere kleinen Seiten ein klein wenig überarbeitet. Übersichtlicher jetzt, geschmeidiger und frischer, sagen Sie? Genau richtig!

Allerdings kann es aufgrund schlampiger Arbeit des wohl völlig überbezahlten Projektverantwortlichen des Hauses – je nach verwendetem Browser – hie und da noch zu kleinen Darstellungsproblemen kommen; Ungenauigkeiten, die wir rasch beheben werden. Oder wenigstens kaschieren.

Irgendjemand wird hier gewaltig Überstunden machen müssen.

12.03.2008

Nebenbei bemerkt

In hellem Licht funkelt fast alles, und bei Sonnenschein ist es überall schön. Wenn man aber an einem aschgrauen Tag durch eine Stadt geht, in prasselndem Regen, der einem von böigem, kaltem Wind immer wieder nervtötend ins Gesicht gepeitscht wird und einem die frischen Sachen durchnäßt und eindreckt, während man schon wieder in eine Pfütze tritt; wenn man das macht und auf einmal denkt: Vielleicht ist das hier der schönste Ort der Welt – dann ist man genau da, wo man sein sollte.
So ist Hamburg.

10.03.2008

Lichter und Linien


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10.03.2008

Kombilativ

Hätte ich doch schon ein paar Augenblicke eher das Gespräch auf der Nachbarbank verfolgt. Dann kennte ich jetzt nicht nur den kombiniertesten Superlativ aller Zeiten und der ganzen Welt, sondern wüßte endlich auch, wer denn »echt die häßlichsten Menschen aller Welt!« sind. »Ey.«

05.03.2008

SchriftsTELLER

Wußten Sie das?

Eines aber ist gewiß: Romanschriftsteller können schon allein deshalb nicht über den Tellerrand schauen, weil der Roman kein Teller ist.

(Heute in der FAZ.)

01.03.2008

In der Glaubwürdigkeitsfalle

»Ex-Prostituierte beteuert ihre Unschuld«


(Großes D. an F. in C.!)

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